Mittwoch, 28. November 2012

Die Verratenen

Ria lebt in einer von Menschen geschaffenen, geschützten Welt unter Kuppeln. Sie ist privilegiert, hat ausreichend Nahrung, angenehmen Wohnraum und lernt an einer Akademie, die ihre Studenten in vielerlei Hinsicht formt. Ria selbst hat ein ausgesprochenes rhetorisches Talent und ist zudem in der Lage, andere sehr schnell und gut einzuschätzen und dementsprechend zu reagieren. Sie gehört zu den TopTen der Studenten und eine große Zukunft ist ihr gewiss. Von diesen Kuppelanlagen gibt es mehrere auf der Welt. Doch außerhalb dieser leben Menschen unter viel schlechteren Bedingungen. Ihnen stehen weder aureichend Ressourcen, noch Technik oder Wissenschaft zur Verfügung und sie sind ganzjährig den Elementen ausgesetzt. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen zwischen diesen beiden Parteien, wenn die Privilegierten ihren geschützten Bereich verlassen.

Während Ria gerade mit ihrem Mentor eine überzeugende Rede einstudiert, erhält sie die Nachricht über den Tod einiger Expeditionsmitglieder, von denen eine ihr persönlich sehr am Herzen lag. Die Studenten trauern um ihre Kameraden und sind aufgebracht. Doch eine der Hauptlehren der Akademie ist die Übung in Verständnis und Mitgefühl für die Außenbewohner, deren Aufnahme in die Gemeinschaft in der Zukunft, in der die Ressourcen für alle reichen werden, geplant ist und so versuchen alle Betroffenen, ihre Emotionen wieder in den Griff zu bekommen. Abgelenkt werden sie durch das Erscheinen einiger Sentinels, unter denen sich ein wichtiger Mann zu befinden scheint. Während die meisten noch rätseln, was sein Erscheinen zu bedeuten hat, scheint einer der Studenten plötzlich von seiner Angst überwältigt zu werden. Weshalb ist dieser wichtige Mann hier? Und wer ist er? Und was ist wirklich bei dieser Expedition geschehen?

Durch einen Zufall kann Ria ein Gespräch zwischen diesem Sentinel und dem Akademieleiter belauschen, indem sie und einige weitere Studenten - unter anderem ihr Freund und Ranglistenerster Aureljo - der Verschwörung beschuldigt werden und in naher Zukunft unbemerkt eliminiert werden sollen. Ria ist entsetzt, wähnte sie sich doch sicher in ihrer vermeintlich perfekten Gemeinschaft. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hat, versucht sie vorsichtig die anderen Betroffenen zu kontaktieren, die ebenfalls Schwierigkeiten haben, diese Informationen zu akzeptieren. Doch die Hinweise, dass Ria sich nicht getäuscht hat, mehren sich und der Verrat an ihnen wird mit der Bekanntgabe einer gemeinsamen Reise zum Präsidenten, zu der zufälligerweise ausschließlich die sechs "Verschwörer" eingeladen werden, zur Gewissheit. Ängstlich besteigen die Studenten eine Magnetbahn in eine ungewisse Zukunft. Durch glückliche Umstände gelingt ihnen jedoch die Flucht, aber von nun an beginnt ihr Überlebenskampf in einer kalten, feindlichen Welt, in der sie nicht nur wilde Tiere und die erbarmungslose Witterung, sondern auch die Clans der Außenbewohner fürchten müssen. Zudem erfährt Ria während ihrer Flucht, dass einer von ihnen ein Verräter sein soll. Wem kann sie noch trauen? Werden sie es schaffen zu überleben? Und was zur Hölle wirft man ihnen überhaupt vor?

Ich liebe Ursula Poznanski Schreibstil, da er sehr flüssig und ungeheuer anschaulich ist. Die spannende Atmosphäre des Buches hat sich gleich von Anfang an auf mich übertragen. Ich hatte das Gefühl, Teil dieser Geschichte, die aus Rias Sicht im Präsens erzählt wird, zu sein, so gefesselt war ich beim Lesen. Die Autorin baut die Handlung angenehm langsam auf, was sich jedoch in keinster Weise auf die stets vorhandene Spannung auswirkt. Dabei hat sie die sehr unterschiedlichen Charaktere sehr realistisch und detailreich gezeichnet. 

Ria ist eine der begabtesten Studenten in der Akademie. Hier werden alle stets enorm gefordert, damit sie die besten auf ihrem Gebiet werden. Rias Spezialgebiet ist es, aus der Physiognomie der Menschen zu lesen, um ihrerseits die in der jeweiligen Situation richtige und täuschend echte eigene Reaktion abzurufen. Als Ansporn für die Studenten gibt es ein regelmäßíg aktualisiertes Ranking, bei dem Ria derzeit den siebten Rang bekleidet. Je höher ein Student im Ranking kommt, desto mehr Privilegien und Förderung hat er. Hier leben nur die Allerbesten und die meisten von ihnen sind Invitros, die von klein auf zielsicher ausgebildet wurden. Auf ihrer Flucht aus den Sphären bekommt die Fassade von Rias Welt Risse, die nicht mehr zu kitten sind. Erst in der Außenwelt erkennt sie, wie es wirklich um diese bestellt ist und muss lernen, mit der Welle aus Hass, die ihr entgegenschlägt, umzugehen. Langsam, aber sicher stellt sie das ihr bekannte System und ihr bisheriges Leben komplett in Frage und wagt dabei vorsichtig eine Neuorientierung. Dabei ist sie stets sympathisch und erfüllt von einer inneren Stärke, für die ich sie einfach nur bewundern kann.

Ich fand es anfangs sehr beängstigend, wie sehr das System Wert auf Perfektion legt. Das zeigt sich nicht nur gegenüber dem Lernverhalten und der ständigen Kontrolle der Studenten, sondern auch in merkwürdig anmutenden Details, wie zum Beispiel die chirurgische Gesichtsveränderungen ihres Freundes Aurelio, der es mit seinem Talent auf den Ranglistenplatz 1 geschafft hat. Sein ohnehin schon ansprechendes und freundliches Gesicht sollte durch die Veränderungen noch anziehender wirken. Welchen Zweck sollte dies erfüllen? Fürchtet das System so sehr, dass die Sphärenbewohner misstrauisch werden und Fragen stellen, so dass sie hoffen, dass ein bis zur Perfektion charismatischer Anführer keine Zweifel aufkommen lässt? Welche Pläne haben oder hatten sie mit Aurelio? Einige wenige Fragen sind in diesem ersten Band beantwortet worden; die meisten blieben jedoch offen. Ich bin bereits sehr neugierig, was im nächsten Band geschieht.

Fazit:

Ursula Poznanski ist für mich eine ganz besondere Autorin. Allein deswegen war ihr neues Buch für mich ein absolutes "Must have". Meine Erwartungen wurden auch diesmal nicht enttäuscht und, obwohl ich dieses Jahr bereits ziemlich viele Dystopien gelesen habe und sich zwangsläufig das ein oder andere Detail wiederholt, konnte mich der im Loewe Verlag erschienene Roman "Die Verratenen" vollauf fesseln, so dass ich gespannt auf den nächsten Band der Reihe warte. Freunden von Dystopien kann ich diesen Roman nur wärmstens ans Herz legen und uneingeschränkt empfehlen.



gebundenes Buch mit 460 Seiten
Verlag: Loewe
Facebookauftritt des Verlags → HIER
erschienen: Oktober 2012
Alter: ab 14 Jahren
Preis: 18,95 Euro
ISBN: 978-3-3785575468
mehr Infos und Leseprobe → HIER
Website der Autorin → HIER

Dienstag, 27. November 2012

Anton Pfeiffer und der Zauberkongress

Anton Pfeiffers Woche könnte kaum schlechter beginnen. Erst fällt merkwürdiger Taubendreck auf ihn, dann legt er sich auch noch mit seinem grantigen Chemielehrer Herrn Clausewitz an. Als Anton sich eine dringend benötigte Auszeit nimmt, stößt er im Hof auf den merkwürdigen Oskar, der eine seltsame Kreuzung aus Besen und Schirm in der Hand hält und total baff ist, dass Anton ihn überhaupt sehen kann!

Der erste Schreck ist auf beiden Seiten schnell überwinden und Oskar erzählt ihm von seiner magischen Welt. Er lädt Anton ein, ihn auf einen Zauberkongress zu begleiten. Kurzerhand willigt dieser ein und die beiden begeben sich in Richtung Waldrand. Als Oskar dann aber auf der Suche nach einem Türgriff in einer alten Eiche ist, zweifelt Anton doch ein wenig an dem Verstand seines neuen Freundes. Doch er wird abermals überrascht und dank Oskar erhält Anton Zugang zu einer ihm völlig neuen und magischen Welt. Hier macht er die Bekanntschaft, von Hexen, Zauberern, Problemlösern, suizidgefährdeten Schnecken und vieler anderer merkwürdiger Wesen. Und gemeinsam mit seinem neuen Freund Oskar und der Halbelfe Emma kommen sie dabei sogar einem Geheimnis auf die Spur.

Der Roman läst sich leicht und flüssig lesen und überzeugt dabei vor allem mit seiner gut durchdachten Zauberwelt und den schön gezeichneten Charakteren. Anton hat schon früh gelernt, selbständig zu sein. Sein Vater ist bereits vor vielen Jahren gestorben und gemeinsam mit seiner Mutter schlägt er sich in Wuppertal durchs Leben. Es bedrückt ihn, dass seine Mutter oftmals sehr traurig und antriebslos ist und er versucht ihr zur Seite zu stehen, wo er kann. Lediglich die lustigen Weihnachtsfeste bei Onkel und Tante, zu denen auch sein Großvater kommt und Anton mit absonderlichen Geschenken beglückt, lockern seinen Alltag auf und auch dieses Jahr ist es nicht mehr lange bis dahin. In der Schule hat er so seine Höhen und Tiefen, was ihn aber keinesfalls erschüttert. Im Gegenteil wirkt Anton bereits viel reifer als seine Altersgenossen und er lässt sich weder von gleichaltrigen Störenfrieden, noch von Erwachsenen einschüchtern und sagt stets, was er denkt. Gerne nimmt er Herausforderungen an und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er an der neu entdeckten magischen Welt sofort Gefallen findet.

Sein neuer Freund Oskar scheint ihm ziemlich gleichgesinnt, denn obwohl es untersagt ist, Menschen an der magischen Welt teilhaben zu lassen, entschließt er sich spontan, Anton mit auf den Zauberkongress zu nehmen und weiht ihn hilfsbereit in viele Geheimnisse seiner Welt ein. Unterstützt wird er dabei von der Halbelfe Emma, die sehr wissbegierig und belesen ist. Ganz selbstverständlich und ohne jede Vorurteile nehmen sie ihn in ihren Freundeskreis auf.

"Anton Pfeiffer und der Zauberkongress" ist ein spannendes magisches Abenteuer für junge Leser ab ca. 8 Jahren. Doch auch ältere Leser werden ihre wahre Freude an diesem schönen Buch haben. Hier werden Werte wie Freundschaft, Familie und Zusammenhalt vermittelt und gleichzeitig der Gedanke von Weihnachten neu entdeckt. Der Leser lernt eine magische Parallelwelt kennen, die sehr schön beschrieben ist und dabei so realistisch wirkt, dass sie möglicherweise gar nicht so weit von einem selbst entfernt liegt. Wenn ich das nächste Mal in Wuppertal bin, werde ich auf jeden Fall ein besonderes Auge auf große, alte Eichen haben. Wer weiß, vielleicht entdecke ich ja einen Türknauf?


Sonntag, 25. November 2012

Nikolausverlosung


Zum Ende des Jahres möchte ich Euch noch einmal die Gelegenheit geben, eines von den Büchern zu gewinnen, die auf meiner Beliebtheitsskala ganz oben liegen. Ich trenne mich ehrlich gesagt nur schwer davon, aber ich möchte Euch gleichzeitig auch die Möglichkeit bieten, eine dieser wundervollen Geschichten zu lesen. Da ich selbst keines dieser Bücher bewußt aussuchen und abgeben könnte, überlasse ich das dem Gewinner, damit dieser das Buch seiner Wahl erhält. Na ja, und wer die Wahl hat, hat die Qual, *lach*.

Und hier kommen die Bücher, die mir so sehr am Herzen liegen, und von denen der Gewinner sich eines aussuchen darf.

Wahlmöglichkeit Nr. 1: "Rot wie das Meer" von Maggie Stiefvater

Jedes Jahr am 01. November findet auf der Insel Thisby das große Skorpio-Rennen statt. Wenige Wochen vorher betreten die Capaill Uisce das Land. Diese mystischen Wasserpferde sind nicht nur viel größer als normale Pferde, sondern auch weitaus gefährlicher. Nur die mutigsten Männer wagen es, auf ihnen zu reiten und am Rennen teilzunehmen. Doch bereits auf dem Weg dahin, verlieren viele von ihnen beim Training das Leben... mehr lesen....





Wahlmöglichkeit Nr. 2: "Flammen über Arcadion" von Bernd Perplies

Carya ist erst sechszehn Jahre alt und lebt mit ihren Eltern in Arcadion, der Stadt, die früher mal den Namen "Rom" trug. Nach dem sogenannten Sternenfall sind weite Teile der Welt verwüstet und in wenigen, geschützten Städten entstand ein neues System, in dem die Menschen fortan vermeintlich geschützt leben. Hier regiert der Lux Dei, also das Licht Gottes, der in einer Art Templerorden organisiert ist. Schon die Kinder sind bereits Mitglied der Templerjugend und werden schon früh in vielerlei Hinsicht unterwiesen. Auch Carya ist gerne Teil dieser Gemeinschaft und genießt die Vorzüge die dies mitsichbringt. Heimlich himmelt sie dabei ihren Gruppenführer Ramin, einen Schüler der Templerakademie , an....mehr lesen.....


Wahlmöglichkeit Nr. 3: "Grischa - Goldene Flammen" von Leigh Bardugo

Alina und Maljen sind Waisenkinder, die mit ihresgleichen in einem Haus eines mildtätigen Herzogs heranwachsen. Die beiden sind unzertrennlich und werden hier unterrichtet und erzogen. Einige wenige dieser Kinder, die ein besonders Potential haben, werden von den Grischas - Menschen, die die sogenannten Kleinen Künste ausüben, die magischen Fähigkeiten ähneln - erwählt und speziell geschult. Nach einer Prüfung ihrer Fähigkeiten stellt sich jedoch heraus, dass sie nicht zu den Auserwählten gehören....mehr lesen....




Wahlmöglichkeit Nr. 4: "Serafina - Im Königreich der Drachen" von Rachel Hartman

 Bereits Serafinas Geburt in einer Welt, in der es nicht nur Menschen, sondern auch Drachen gibt, ist ein außergewöhnliches Ereignis. Sie selbst ist etwas Besonderes, doch hat sie im Laufe ihres Lebens gelernt, diesen Aspekt ihrer Persönlichkeit vor anderen Menschen oder Drachen zu verbergen. Aufgewachsen bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter war ihr der meiste Außenkontakt untersagt. Lediglich Orma, ein Drache und ihr Lehrer leistete ihr Gesellschaft, doch Drachen, auch wenn sie als Mensch getarnt unter ihnen leben, sind die Gefühle der Menschen fremd und so war und ist Serafina oft einsam. Gegen den Willen ihres Vaters nimmt sie deswegen eine Stelle als Assistentin des Hofkomponisten an....mehr lesen....

Zu Serafina muss ich sagen, dass es als Leseexemplar ausgewiesen ist und durch den Versand leider ganz kleine Knicke oben in der Schutzhülle hat. Ansonsten ist es wie alle anderen gaaaanz vorsichtig gelesen. 


Wahlmöglichkeit Nr. 5: "Als die Welt zum Stillstand kam" von Gabi Neumayer

Celies Eltern Felix und Jenna sind die Erfinder des Tornetzes, mit dem Menschen und Gegenstände in Sekundenschnelle von einem Ort zum anderen gebeamt werden können. Nach dem Tod ihres Vaters wächst Celie allein bei ihrer Mutter auf, die viel zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt ist, als sich ausreichend um ihre Tochter kümmern zu können. Nur ihre Freunde Alex und Bernie scheinen Celie nahezustehen. Dies belastet die Beziehung von Mutter und Tochter sehr und als Jenna durch einen mysteriösen Beamunfall zu Tode kommt, bricht Celies Welt vollends zusammen und sie flüchtet sich unter falschem Namen in die Kommune der sogenannten Mobilen, die sich gegen die Tortechnik aussprechen und sich bemühen, ihr Leben unabhängig hiervon zu gestalten....mehr lesen.....


Ich hoffe, die Auswahl gefällt Euch und ab sofort könnt Ihr Euch für die Verlosung bewerben.

Wenn Ihr also mitmachen möchtet, dann solltet Ihr Leser meines Blogs sein - schließlich ist diese Verlosung ein Dankeschön an alle meine Leser und die, die es noch werden möchten (bitte schreibt, unter welchem Namen Ihr mir folgt, falls es sich nicht direkt aus Eurer Bewerbung ergibt) - und mir als Kommentar folgende Frage beantworten: Was war Euer TOP-Buch 2012 und auf welches freut Ihr Euch 2013 am meisten? Ich weiß, die Frage ist superschwierig, weil es so viele tolle Bücher dieses Jahr gab, aber versucht´s einfach mal, vielleicht gesellt sich ja dann noch ein weiteres bei Euch dazu....;))

Wenn Ihr unter 18 seid, wäre es schön, wenn Ihr vorher die Erlaubnis Eurer Eltern einholt. Gerne dürft Ihr natürlich auch Werbung für mein Gewinnspiel machen, ist aber kein Muss. Die Verlosung läuft bis zum 06.12.2012, 23.59 Uhr; die Auslosung findet am darauffolgenden Tag abends statt. Ich bitte die Gewinner, sich innerhalb der dann folgenden 72 Stunden bei mir zu melden, sonst werde ich den Gewinn ein weiteres Mal auslosen.

Und jetzt: Viel Glück!

Samstag, 24. November 2012

Rot wie das Meer

Jedes Jahr am 01. November findet auf der Insel Thisby das große Skorpio-Rennen statt. Wenige Wochen vorher betreten die Capaill Uisce das Land. Diese mystischen Wasserpferde sind nicht nur viel größer als normale Pferde, sondern auch weitaus gefährlicher. Nur die mutigsten Männer wagen es, auf ihnen zu reiten und am Rennen teilzunehmen. Doch bereits auf dem Weg dahin, verlieren viele von ihnen beim Training das Leben.

Umso verwunderter sind die Teilnehmer, als sie feststellen, dass mit der jungen Kate Connolly, die allen nur als Puck bekannt ist, zum ersten Mal eine Frau antreten will. Puck lebt mit ihren beiden Brüdern auf der Insel und hat letztes Jahr beide Elternteile durch einen Angriff der Wasserpferde verloren. Gemeinsam halten sie sich mehr schlecht als recht über Wasser. Als sie erfährt, dass ihr ältester Bruder Gabe sie und und ihren jüngeren Bruder Finn verlassen und ans Festland gehen will, hat sie sich in ihrer Verzweiflung für das Rennen angemeldet.

Dabei lernt sie Sean Kendrick kennen, einen jungen Mann, der bereits als Kind eine besondere Beziehung zu den Capaill Uisce hat und das, obwohl sie für den Tod seines Vaters verantwortlich sind. Aufgewachsen ist er in kargen Verhältnissen und in den Diensten des reichsten Mannes der Insel, für den er auch seit vielen Jahren regelmäßig an den Rennen teilnimmt und gewinnt. Niemand sonst auf der Insel ist so versiert im Umgang mit den blutrünstigen Wasserpferden wie Sean und diese Fähigkeit hat ihm bei den meisten Inselbewohnern sehr viel Achtung eingebracht - sehr zum Leidwesen seines ewigen Konkurrenten Mutt, dem ungehobelten Sohn seines Arbeitgebers. Im Laufe des gefährlichen Trainings lernen Puck und Sean sich näher kennen und die Tatsache, dass für beide der Sieg in diesem Rennen von unschätzbarer Wichtigkeit ist, ist der ständige Begleiter ihrer aufkeimenden Freundschaft. Wer wird das Rennen gewinnen? Und gibt es eine Chance, dass aus Sean und Puck mehr wird als nur Freunde?

"Rot wie das Meer" hat ein wunderschön aufbereitetes Cover, dass mit seinen blutrot abgebildeten Wellen nicht nur den Titel, sondern auch den Romaninhalt unterstützt. Es ist genau wie die Geschichte einzigartig und schreit geradezu danach, dass ich es in die Hand nehmen soll.

Maggie Stiefvater hat einen einmaligen und unverkennbaren Schreibstil. Ruhig und flüssig leitet sie mich damit durch ihre Geschichte und baut dabei langsam und kostant Spannung auf. Schon bald war ich nicht mehr in der Lage, das Buch zur Seite zu legen. Die Charaktere Puck und Sean, aus deren Sicht der Roman abwechselnd geschrieben ist, sind so detailliert beschrieben, dass ich gemeinsam mit ihnen diese kurze Zeit verbracht habe. Beide sind vom Typ her etwas schwierig, da sie vom Leben nicht verwöhnt worden sind und versucht haben, sich den oftmals kargen Bedingungen anzupassen. Dabei wirken sie jedoch stets authentisch. Von der Insel Thisby erzählt die Autorin so bildhaft, dass ich fast überzeugt bin, ich war da. Ich sehe den Strand vor mir, das rauhe Klima, das Haus der Connollys und auch den kleinen Ort. Ich bin mit dabei, wenn das Fest beginnt und stehe Puck bei im Kampf gegen Vorurteile und Boshaftigkeit.

Besonders faszinierend fand ich die Beschreibung der Capaill Uisce, die gleichzeitig wunderschön und bedrohlich wirkten. Trotz der Gefahr, die von ihnen ausgeht, ziehen sie die Menschen in ihren Bann. Es finden sich jedes Jahr immer wieder genug Männer, die wagemutig sind und am Rennen teilnehmen. Ihren drohenden Tod scheinen sie gekonnt zu verdrängen und sitzen sie erst im Sattel ihres Wasserpferdes droht die von ihnen ausgehende Magie, die Männer ins Verderben zu führen. Denn das Meer ruft ständig nach diesen unbeschreiblichen Wesen und gerät ihr Reiter erst einmal in ihren mystischen Bann, ist er nicht mehr in der Lage, sein Tier zu lenken, sondern rennt in sein Unglück.

Fazit:

Mit dem im script5 Verlag erschienenen Roman "Rot wie das Meer" hat Maggie Stiefvater eine außergewöhnliche Idee in dem ihr eigenen Stil umgesetzt, dem ich mich einfach nicht entziehen konnte. Ich fühlte mich gefesselt von dem Geschehen und seinen bildhaften Beschreibungen, immer mit dabei in Seans und Pucks Kampf um Alles oder Nichts. Der Autorin gelingt es immer wieder, mich in ihren Bann zu ziehen und ich bin schon sehr gespannt, welches Projekt sie als nächstes in Angriff nimmt.




gebundenes Buch mit 430 Seiten
Verlag: script 5
Facebookauftritt des Verlags → HIER
erschienen: November 2012
Alter: ab 16 Jahren
Preis: 18,95 Euro
ISBN: 978-3839001479
mehr Infos und Leseprobe → HIER
Website der Autorin → HIER

Freitag, 23. November 2012

Meeresschatten

Als ihre Familie beruflich von Hamburg nach London geht, entscheidet sich Johanna, genannt Jo, zwar für ein Leben in England, aber gegen die Großstadt. Sie kommt in der Küstenstadt Silver Glen bei Freunden der Familie unter. Hierhin fahren sie alle bereits seit vielen Jahren regelmäßig in Urlaub und der kleine Ort ist Jo zu einer zweiten Heimat geworden. Sie geht auf die örtliche Schule und hat dort in Kate und Ellen bereits zwei wirklich gute Freundinnen gefunden. Während eines Badeausflugs entdeckt Jo plötzlich einen jungen Mann, der in unheimlicher Höhe an der unzugänglichen Felsküste klettert. Doch als sie ihn ihren Freundinnen zeigen will, ist er verschwunden. In der Annahme, dass er gefallen ist, macht sich Jo auf die verzweifelte Suche nach ihm, aber wird dabei nicht fündig. Wer ist der geheimnisvolle Mann und wo ist er hin?

Einige Zeit später sieht sie den mysteriösen Fremden wieder, doch immer noch gibt er sich nicht zu erkennen. Als Jo nicht von der Suche nach ihm ablässt, lauert er ihr auf und warnt sie eindringlich, sich von den Klippen fernzuhalten. Jo ist völlig verwirrt, denn gleichzeitig geschehen weitere unerklärliche Dinge in ihrer Umgebung. Als sie einem davon auf den Grund gehen will und dabei ziemlich weit herausschwimmt, droht sie zu ertrinken und wird im letzten Moment von ihrem mysteriösen Fremden gerettet. Von da an eröffnet sich für Jo eine völlig neue und faszinierende Welt. Verzweifelt versucht sie Geheimnisse zu lüften und Leben zu retten, doch nicht immer ist alles so, wie es scheint. Wird es Jo gelingen? Und was ist mit ihrem Retter, dessen wunderschöne Augen ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen?

Der im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienene Roman "Meeresschatten" von Leonie Jockusch ist optisch ein echter Hingucker. Der Einband des stabil gebundenen Buches ist wundervoll samtig und fasst sich sehr schön an. Das Cover ziert eine junge Frau, eingerahmt mit dezenten Ornamenten. Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Meeresbildern unterbrochen und ein schönes Lesebändchen in genau der richtigen Stärke rundet diesen wahren Augenschmaus ab. Dies ist bereits mein zweites Buch dieses Verlags, das so faszinierend gestaltet ist und ich bin wirklich versucht, die Bücher in den Kultstatus eines Sammelobjekts zu erheben. Hier hat sich jemand unheimlich viel Mühe gegeben bei der optischen Gestaltung und sich meiner Meinung nach dabei selbst übertroffen. Zudem sind die Bücher auch noch sehr hochwertig verarbeitet, so dass man sie - im Gegensatz zu manchen anderen - nicht ungewollt rundliest und so sind sie auch nach Beendigung der Lektüre ein echter Eyecatcher in meinem Bücherregal.

Doch das Buch ist nicht nur optisch ein absoluter Gewinn, sondern auch vom Leseinhalt. "Meeresschatten" ist das Debüt der Autorin und mir gefällt die Idee, die hinter diesem Roman steckt. Die Protagonistin Jo ist eine sympathische und auch sehr neugierige Heldin. Das Mysterium des plötzlich verschwundenen Fremden in den Klippen lässt sie nicht in Ruhe und muss unbedingt von ihr gelöst werden. Dieser Mann zieht sie förmlich magisch an und das umso mehr, da sie zunächst nie in der Lage scheint, sein Gesicht zu erkennen. Doch auch Drohungen und sogar Einbrüche schrecken sie nicht ab, die Geheimnisse zu klären. Mutig folgt sie anfangs ihre Neugier, später ihrer Hilfsbereitschaft und aufkommenden Liebe. Die Geschichte wird zudem auch aus Jos Sicht erzählt, so dass man Anteil an ihren Emotionen hat und ihre Reaktionen begleiten und nachvollziehen kann. Sehr positiv fand ich auch, dass sie dabei nicht in die doch leider oft typische Daueranhimmelei des Objekts ihrer Begierde verfällt, sondern auch noch von ihrem Verstand Gebrauch macht, was sie angenehm realistisch ´rüberkommen lässt.

Jos geheimnisvoller Fremder scheint zunächst etwas schwierig und nicht leicht einzuschätzen. Doch im Laufe der Geschichte erkennt man, dass er hierfür hinreichende Gründe hat und kann auch ihn schnell ins Herz schließen. Zudem ist die Liebesgeschichte nur ein Teilaspekt der Handlung und wird von einigen Geheimnissen, die es zu lösen gilt, sehr schön ergänzt. Nicht jeder ist in Silver Glen die Person, die sie vorgibt und so enthält das Buch einige überraschende und spannende Enthüllungen.

Die Beschreibungen der englischen Küste waren so detailliert, dass man beim Lesen nicht nur feststellen konnte, wie sehr der Autorin diese Landschaft am Herzen liegt, sondern sich auch gleich selbst dorthin gewünscht hat. "Meeresschatten" hat mir, mit seinem anfänglich noch etwas ungewohnt lockeren Schreibstil, sehr gut gefallen und mich dabei nach wenigen Seiten bereits in seinen Bann gezogen. Ich würde mich freuen, wenn es zu dem Roman eine Fortsetzung geben würde.

Vielen lieben Dank an den Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars, dass mir ausgesprochen zugesagt hat. Weitere Informationen zum Buch erhaltet Ihr hier, wo Ihr es zudem bei Interesse auch direkt käuflich erwerben könnt.